Tag des OFFENEN DENKMALS 
11. September 2005
LÖNS-TAG an der Einhornhöhle
 
Europaweiter Veranstaltungstag unter Schirmherrschaft 

 
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Inhalt: 
 
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Biographie       Vorgeschichte    Löns-Berichte
 

 

 

Dies ist eine öffentliche Veranstaltung!

Beschreibung der Höhle: 

Archäo-, Bio- und Geotop im Zechsteindolomit, seit über 100.000 Jahren bekannt, von Neandertalern genutzt, eiszeitl. Tierfriedhof mit ca. 70 fossilen Tierarten, berühmte Fundstätte des Unicornu fossile = Unicornu verum, bis zu 40 mächtige eiszeitl. Sedimente beinhalten Artefakte und menschl. Knochen von der Altsteinzeit bis zur heute, Forschungsstätte von u.a. Goethe, Leibniz, Löns und Virchow.

Öffnungszeiten Geopark InfoStelle am 11.9.: 10 - 18 Uhr,

Führungen stündl. 10 - 16 Uhr
durch Dr. Ralf Nielbock, Mario Rhode, Ulf Dreymann

Führungsentgelte gestaffelt 1,- - 5,.- E

Aktionen: 11.30 Uhr Wiedereröffnung des 1905 fertig gestellten Zugangsstollens nach Restaurierungsarbeiten, offizielle  Benennung nach Herrmann Löns, danach "Löns"-Führung  bis zur  Blauen Grotte.

Haus Einhorn: ganztags Angebote Lönsmahl: Oder-Forelle in Variationen


Ansprechpartner: Dr. Ralf Nielbock, Gesellschaft Unicornu fossile
Tel.: 05521/997559
Fax.: 05521/997558

 


Der Löns-Tag wird  unterstützt  durch:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Aktion:

Es war schon lange Wunsch des Höhlenvereins, Löns ein Andenken in dieser Höhle zu setzen. Der bislang namenslose Eingangsstollen zur Höhle wurde vor 100 Jahren fertig gestellt, genau zu der Zeit, als Löns hier intensiv wirkte. Der Stollen erhält zum Denkmaltag am 11.9. den Namen Hermann-Löns-Stollen. Die Aktion der Tafelenthüllung ist zugleich der Abschluss umfangreicher Investitionsmaßnahmen in und an der Höhle.

 

 

Ralf Lips (Trompeter), 
Dr. Ralf Nielbock und 
Mario Rhode am Zugangsstollen.

 

 

 

Dr. Peter Löns (Göttingen) 
 als Vertreter der Familie.
   



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PRESSEBERICHT  8.September HARZKURIER    

PRESSEBERICHT 10.September HARZKURIER

PRESSEBERICHT 13.September HARZKURIER

 

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Die Vorgeschichte:

Der Berliner Arzt, Pathologe und Anatom Rudolf Virchow leitete 1872 mit der intensiven Suche nach dem diluvialen Menschen den Beginn neuer  Grabungen in der Einhornhöhle bei Scharzfeld am südlichen Harzrand ein. Diese Höhle schien der Schlüssel für interessante Funde! Unter Beteiligung der Rudolf-Virchow-Stiftung wurde danach immer weiter gegraben. Man sucht und findet mit Spitzhacke und Schaufel bewaffnet einfach alles: z.B. eine "Höhlenbärenjäger-Station" mit Lagerfeuer sowie zerschlagenen und angebrannten Bärenknochen. Oder auch jungsteinzeitliche Skelettgräber und Menschenknochen als Mahlzeitenrest......

Aber es kam scharfe Kritik auf. In der  nachfolgenden Diskussion wurde Zweifel  geäußert, die Stiftung lehnt die Bewilligung weiterer Gelder, da letztendlich Artefaktfunde und der Beweis  einer altsteinzeitlichen Besiedlung nicht vorlegbar waren. Der bedeutende Naturforscher und Schriftsteller Hermann Löns (durch verwandtschaftliche Bindungen an die damaligen Betreiber der Schauhöhle eng mit Scharzfeld verbunden und gerade deshalb am wissenschaftlichen Werdegang der Erforschung der Höhle höchst interessiert) forderte bereits während der Grabungskampagne der Virchow-Stiftung vergebens und fast schon seiner Zeit voraus bessere Arbeitsmethoden und genauere Untersuchungen, vor allem verwies er auf die Möglichkeit, den Grabungsaushub zu sieben.

Die Zeit der „Lustgrabungen“ war damit beendet und Löns wurde zum Vorreiter und Wegbereiter einer modernen Erforschung der Höhle! 

 


Kurzbiographie des Schriftstellers Hermann Löns:

1866
29. August: Hermann Löns wird als Sohn des Gymnasiallehrers Friedrich Löns und dessen Frau Clara (geb. Cramer) in Kulm (Westpreußen) geboren.

1882
Löns leistet seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger.

ab 1886
Nach dem Abitur studiert er Medizin, Naturwissenschaften und Mathematik in Münster, Greifswald und Göttingen. Da er das Studium ohne Abschluss aufgibt, kommt es zum Bruch mit seinem Vater.

ab 1891
Löns wird Redakteur  in Kaiserslauter, in Gera, in Hamburg und ab 1983 in Hannover, später in Bremen. Veröffentlichung erster Gedichte. 

1902
Hochzeit mit Lisa Hausmann aus dem Südharz  in 2. Ehe. Aus der Ehe geht ein Kind hervor. 
Mitbegründer des "Hannoverschen Allgemeinen Anzeigers". Ab dieser Zeit viele Aufenthalte in Scharfeld und auch an und in der Einhornhöhle.  Hier erfolgen berechtigte kritische Anmerkungen zur Grabung der Rudolf-Virchow-Stiftung in der Höhle.

1905
Löns beginnt mit den Arbeiten an dem Buch "Wirbeltierfauna Hannovers".

1914
Während des Ersten Weltkriegs dient Löns freiwillig. Er führt ein Kriegstagebuch. 
September: Er rückt ins Feld vor. Am 26. September fällt Hermann Löns  an der Front bei Loivre.

 



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Löns befährt die Einhornhöhle  
(Ausschnitte aus seinen Berichten1902 bis 1907 )

1. Befahrung: 

Ich will hinabsteigen in das große Grab unter mir, in die unheimliche Höhle, in der sich vor undenkbaren Zeiten das glasklare, strudelnde und sprudelnde Gletscherwasser durch den Kalkfels wühlte, hinabsteigen zu den Schlupfwinkeln verschollener Bärenjäger, von denen wir nichts erbten, wie ein paar Topfscherben und einige Steinwaffensplitter. Wir steigen hinab in den steilen Felskamin, der in die nachtschwarze Einhornhöhle das Tageslicht und den Sonnenschein fallen lässt. Da ist es feucht, kühl und schattig, da kommt die Sonne, gebrochen durch der Buchen dichte grüne Schleier, nur schwach hin. Kalte Luft streicht mir entgegen, wie ich die Treppe hinabgehe, aus der hellen warmen Gegenwart in die dunkle, kühle Vergangenheit. Kühl ist es hier. Kein Lichtschein fällt auf den Boden, kein heller Fleck tanzt auf den Felsen. Und vor mir, hinter dem Gatter liegt die Höhle. Und in dem Lehm des Bodens liegen die Knochen vom Riesenbär und dem Wisent, Elch und Rothirsch, gespalten von wilden Jägern, die hier lebten. Wie lange das erst her ist! ....

Durch den Schacht sehe ich noch einmal den blauen Himmel, das grüne Laub und das goldne Sonnenlicht, dann bin ich dort, wo nur meine Fackel Licht gibt und kein anderer Laut ertönt, als das eintönige Klopfen der Tropfen von den Steinwarzen der Decke. Über den weichen, braunen Höhlenlehm gehe ich mit lautlosen Schritten. Überall sind die Spuren von Grabscheiten. Die Wissenschaft hat mit dem Spaten hier der Urgeschichte nahe kommen wollen und die Knochen und Zähne vom Höhlenbären im Triumpf in die Museen gebracht. Aber es ist doch nur Stückwerk geblieben, nur Scherben waren es, die man der Vergangenheit abgewann. Rote Streifen wirft meine qualmende Fackel an die graue, silberig glitzernde Decke, wo das durchsickernde Wasser emsig in unendlich langsamer Arbeit an seltsamen Tropfsteingebilden weiter baut und die Strudellöcher, die des Gletscherbaches gewaltiger Druck höhlte, mit krystallender Tapete überzieht. Auf einem Steinblock kauere ich mich hin, stecke die Fackel in den aufgeweichten Lehm und starre vor mich hin. Rund um mich herum ist Dunkelheit, schwach leuchtet der Fackel Flamme, und Lautlosigkeit, nur vom Geklatsche des Tropfenschlags unterbrochen. Ich ging weiter, tief gebückt, bis der Gang sich weitete und ein hoher Saal sich über mir wölbte. Eine Tafel kündete mir, dass hier einst auch Schiller hinabgestiegen war, um mit seinen großen Dichteraugen verschollener Zeiten Gestalten zu sehen. Mir war, als sähe ich ihn, ehrfürchtiges Staunen in dem schmalen, lockenumflossenen Gesicht, und ich dachte an die hungrigen Jäger, die ich eben belauschte, und das beides Menschen wären, Wesen derselben Art. Wir sind so stolz geworden und so hochmütig, wir modernen Menschen. Von der Höhe unserer Bildung sehen wir herab auf die Vorzeit. Mit Lächeln betrachten wir in den Museen die Steinwaffen, lächelnd staunen wir der Ägypter Bildwerke an. Aber wenn die Zeit sich erfüllt haben wird, dann wird die Wissenschaft der Zukunft in den Trümmern unserer Städte wühlen, und kommende Geschlechter werden lächelnd unsere Maschinen und über die kindliche Auffassung in unseren Büchern sich wundern, stolz auf ihre Kultur. ....

Mich fror bei den kalten Schatten der Vergangenheit, und ich stieg in die warme Gegenwart empor, wo die Buchen ihre grünen Seidenfähnchen schwenkten, wo die Blumen blühten und die Vögel sangen, ging über die weite Wiese, wo Maßliebchen und Schlüsselblumen sich der Sonne freuten, und wo die bunten Schmetterlinge flogen, und tauchte wieder im Walde unter. ...

 

2. Befahrung:

Ich öffne die Tür. Ich will mich abkühlen im Schatten der Vorzeit. Eisig weht mir die Kellerluft der Höhle entgegen. Auf einem Kalksinterblock, der vor Jahrhunderten von der Wand abbrach, sitze ich und sinne. Zu meinen Füßen liegt der Hund, steil steigt der Rauch meiner Pfeife empor. Eintönig klingt der Tropfenfall in der Totenstille. So gar kein sichtbares Leben ist um mich her, und doch hat auch hier einmal in dem Bette des versiegten Gletscherbaches der Mensch geliebt und gelacht, geweint und gebangt. Das Windlicht in der Hand, gehe ich durch den schwarzen Raum. In einer Nebenhöhle setze ich das Windlicht hin, ziehe das Weidmesser aus der Hosennaht und scharre im Lehm. Die Messerspitze stößt bald auf etwas Hartes. Ein gut erhaltener Zahn, ein zerbröckelter, dann noch einige weiter unten, die fördere ich so nach und nach heraus. Und dann einen kunstgerecht geschlagenen Feuersteinsplitter, wie ihn die Frauen der Jäger gebrauchten, um Felle rein zu schaben und Knochen glatt zu kratzen. ....

Das Steinschaberchen ist grau, zwei Zoll lang und von vier langen Flächen, der breiten Grundfläche und den drei schmalen oberen Flächen, gebildet. Es sieht so einfach aus, und doch kann der Mensch des zwanzigsten Jahrhunderts all seine ungeheuren technischen Hilfsmittel zur Hand nehmen, er wird es nicht fertigbringen, auch nur so ein Splitterchen herzustellen. Sie ist verloren gegangen, diese Kunst, die  Jäger haben sie mit ins Grab genommen. Vielleicht rückt uns das Polareis zum dritten Mal auf den Hals, lässt keine Obstbäume mehr blühen, kein Getreide mehr reifen, ersäuft mit seinen Gletscherbächen unsere Kohlen- und Erzgruben und vernichtet alle Kultur. Dann werden unsere späten Nachfahren die alte Kunst wieder lernen, belehrt von der bitterbösen Not.

Es ist spät geworden. Ich steige die Treppe empor, warme Luft streichelt mir die Backen, und der Eule Ruf bewillkommnet mich. Lachen und Plaudern kommt mir entgegen. Ein Touristenschwarm will eine Höhlenfahrt machen. Allein würde keiner von ihnen sich hineintrauen. Und es ist doch so gut, nach heißen Lebenstagen einmal allein zu sein mit sich im kühlen Schatten der Vorzeit. ....

 

 

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